Saturday, Feb. 22, 2020

Was Anleger über ihr ETF-Investment wissen müssen

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29. Oktober 2012

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Was Anleger über ihr ETF-Investment wissen müssen

Die Zahl der Exchange Traded Funds (ETFs) nimmt ständig zu. Für Anleger wird daraus ein neues komplexes Problem. Einfach Investieren geht anders.

Natürlich ist es zentral, sich mit der Frage einer geeigneten Streuung von Kapital zu beschäftigen. Daneben sollten Investoren drei wesentlich Aspekte beim Kauf von Indexfonds – ein Synonym für ETFs – beachten. Diese Vehikel haben schließlich Besonderheiten, die jeder Investor kennen und beachten sollte. Das geht über das Wissen  hinaus, dass diese Fondsvehikel wie Aktien oder Anleihen über Börsen gekauft und verkauft werden können.

Wie ist der Index konstruiert?

Natürlich ist dieser Frage die Kapitalaufteilung vorausgeschaltet. Im nächsten Schritt geht es um die Wahl eines geeigneten Indexes. Der Index muss in Kombination die gewünschten Märkte abdecken. Dabei sollten Anleger vor allem auf marktbreite Investments setzen. Bei manchen Indizes ergeben sich wegen Überschneidungen Probleme. Beispielsweise könnten Anleger bei einer sorglosen Auswahl von Indizes große Anteile von Apple im Depot finden. Das führt dann zu einem sogenannten „Klumpenrisiko“.

Bei vielen Indizes, wie im DAX beispielsweise werden solche Probleme schon durch die Indexkonstruktion umgagen, indem kein Wert einen bestimmten maximalen Anteil am Index überschreiten darf.

Da ETF auch Indexfonds genannt werden, sollten Anleger neben der Gewichtungsmethode die Auswahlprinzipien des Index verstehen. In den meisten Indizes sind die Titel anhand der Marktkapitalisierung gewichtet. Das bedeutet für Anleger, dass man bei solchen Investments überwiegend in die größten Aktienwerte investiert. Ein ärgerliches Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist bei manchen technologielastigen Indizes, dass die Indexmacher automatisch in Facebook investiert haben.

Ein ähnliches Problem ist bei der Konstruktion von Anleihenindizes zu entdecken. Die größten Schuldner werden wegen ihres Marktvolumens am höchsten gewichtet. Betrachtet man die aktuelle Staatsschuldenkrise, dann wird klar, dass in Phasen gleichbleibender Zinsen das Investment in Staatspapiere Deutschlands oder in die der Schweiz praktisch renditefrei erfolgt. Zudem sind höhere Marktvolumina zwar für Indexinvestments sinnvoll, aber es bedeutet gleichzeitig, dass die Schuldner offenbar einen sehr hohen Fremdkapitalbedarf haben.

Wie wird der Index abgebildet

In Finanzdeutsch: die Replikationsmethode. Hierbei geht es um die Frage, wie der Anbieter die Performance (Wertentwicklung) des Index liefert. Dabei sind zwei unterschiedliche Konzepte von Anlegern zu beachten:

1. Physisch replizierende Exchange Traded Funds (ETFs)

Hierbei wird entweder durch vollständige Replikation (Nachbildung) oder durch das „Sampling-Verfahren“ ein Index abgebildet. Das Sampling-Verfahren kommt oft für große Indizes oder für Indizes mit weniger liquiden Wertpapieren zur Anwendung. Dabei kauft der Aktien-ETF-Anbieter einen ausgewählten Aktienkorb, der im Idealfall das identische Risiko-Rendite-Profil wie der zugrunde liegende Index aufweist. Der Anleger bemerkt diese Methode in der Regel nicht. Aber: In schwankungsreichen (volatilen) Marktphasen kann der Sampling-Ansatz einen höheren Tracking Error prdouzieren. Mit Tracking Error ist die Abweichung vom Index gemeint-

Ferner nutzen einige physisch replizierende ETFs die Wertpapierleihe. Dadurch wollen die Anbieter ein zusätzliches Einkommen erzielen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass für Anleger hierdurch ein zusätzliches „Kontrahentenrisiko“ – das ist das Risiko, dass der Handelspartner in Schieflage gerät – entsteht. Gute Anbieter von ETFs managen diese Risiken professionell: Dazu gehört die ständige Überprüfung der Bonität des Handelspartners.

2. Synthetisch replizierende Exchange Traded Funds

Diese Konzepte bilden den Referenzwert mit Hilfe eines „Swap-Geschäfts“ mit einem oder mehreren Gegenparteien ab. Der Anbieter verpflichtet sich, der Gegenpartei die Rendite eines vordefinierten Wertpapierkorbes mit der Rendite des Referenzwertes zu tauschen. Der Vorteil dieser Konstruktion sind geringere Kosten und ein niedriger Tracking Error. Aber das Kontrahentenrisiko darf nicht außer acht gelassen werden.

Was das kostet

Für den Anleger zählen die Gesamtkosten für eine ETF-Anlage. Neben den Managementgebühren fallen weitere versteckte Kosten an. Anleger können hierbei auf eine anerkannte Größe achten: Die Total Expense Ratio (TER). Dabei gibt es zwar immer noch unterschiedliche Definitionen im Markt, aber diese Größe hilft dennoch, die Kosten des Investments besser einzuschätzen.

Bei Indexfonds meint die TER den Teil der Kosten, die jährlich vom Anbieter für die Indexnachbildung dem ETF entnommen werden. Dies kann von den Handelskosten des ETF-Managers bis zum Marketingbudget, sowie Depotbankgebühren bis hin zu Lizenzkosten für den Index viele Kostenblöcke beinhalten. Für Anleger sind zusätzlich die eigenen Handelskosten relevant, die sich aus dem Spread am Markt ergeben. Auf der anderen Seite können Anleger bei ETF – anders als bei herkömmlichen Fonds – Mindestpreise über die eigene Handelsorder sicherstellen.

Fazit

Wenn die Branche behauptet, dass Indexinvestments via ETF einfach sind, dann stimmt das nur bedingt. Auch beim Kauf eines ETF muss man sich auskennen und auf Unterschiede achten. Denn auch bei Zertifikaten glaubten die Marktteilnehmer sehr lange, dass das Emittentenrisiko – vergleichbar mit dem erwähnten Kontrahentenrisiko des Handelspartners – nur eine theoretische Bedeutung hat.

Zudem hat die ETF-Branche längst bei manche Anlageklasse gebelte Investments eingeführt. Diese haben ihre eigenen Fallstricke. Anleger sollte auch hier auf der Hut sein. Aber: Im Vergleich mit aktiv gemanagten Konstrukten sind die Kostenstrukturen deutlich bei ETF günstiger. Mancher Anleger mag es auch als Vorteil sehen, die Investments gelegentlich mal über eine Börse schnell verkaufen zu können.

Ein Link zu einem Buch über ETFs.

Artikelbild: Börsensaal Börse Stuttgart.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.