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Über irische Banker und unsere Politiker

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1. Juli 2013

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Über irische Banker und unsere Politiker

Ganz selten erfährt die Öffentlichkeit, was Banker wirklich denken. Wir wissen: Sie verachten das System und halten sich für Gott.

Irische Pleitebanker hatten sich 2008 über die Rettungsmilliarden aus Deutschland und anderswo lustig gemacht und damit nach Veröffentlichung von Telefonmitschnitten eine Welle der Empörung ausgelöst. Angela Merkel gab ihr Verachtung zu Protokoll, Wolfgang Schäuble auch. Keine Frage: Solche Halunken gehören angeklagt und weggesperrt, zumal diese speziellen Banker die wahren Ausmaße ihrer Verluste verschwiegen haben sollen. Ein mögliches angekündigtes Berufsverbot ist eine geradezu lächerliche Drohung.

Verantwortung trugen Politiker

Der irische Staat trat für die Schulden seiner Banken ein, da man Sorge um das Finanzsystem hatte. Die Banker um den Bankchef David Drumm blufften die Politiker, die offenbar in der Krise keinen Plan B zu Rettungsschirmen hatten. Sie hätten die Banken abwickeln können und die Zentralbank in der Not als Ersatzinstitut nutzen können. Dann hätten die Anteilseigner ihr Geld verloren, die Banker ihren Job ohne Abfindung und die Anteilseigner hätten für ihre schlechte Aufsicht und Einflussnahme auf das Geschäft der Banker ebenfalls gezahlt.

Es kam anders. Politiker in Europa glaubten jede Bank mit Staatsgeld retten zu müssen. Abgesehen von der Frage, ob das damals auch hätte anders laufen können, muss man Respekt vor den Politiker haben, die sich falsch, aber zumindest verantwortungsvoll verhalten haben. Die jetzt ertappten irischen Banker wissen gar nicht was Verantwortung überhaupt ist und haben ihre Verachtung für das System gezeigt, das sie bestens ernährt hat.

Jagt die Bankster vom Hof

Auch erinnert man sich an den Ausspruch des Goldman-Sachs-Chef Lloyd C. Blanfein, der Gottes Arbeit übernahm, das Zitat aber später zurückzog. Dahinter steckt der Verlust von Realitätssinn. Topbanker scheinen Allmachtsphantasien zu haben und ihr eigenes Handeln für wichtig zu halten. Das ist es nicht und überbezahlt ist die Spitze der Branche ebenfalls ohne Frage. Solche Enthüllungen schaden den Tausenden Mitarbeitern an den Schaltern, die Kredite ausgeben und sich um ihre Kunden tatsächlich kümmern.

Richtig ist: Die selbsternannte Elite der Banker schadet der Finanzbranche und sollte von der Zunft endlich vom Hof gejagt werden und zwar endgültig. Diese Spitzenbanker waren es nämlich wirklich, die durch einseitige Risiken ihre Institute in Schwierigkeiten brachten und ihrem Land einen Milliardenschaden zufügten. Sie stellen auch das gesamte Finanzsystem in Frage, das eigentlich ganz hervorragend funktionieren würde, wenn jeder für seine Schulden und Risiken haften würde. Leider ist dieses tragende Prinzip des Systems seit der Finanzkrise auch durch Zutun der Politiker ausgehebelt worden. In Europa reichte die politische Kraft nicht einmal aus, die zyprischen Großbanken über die Klinge springen zu lassen.

Sündenfall der Rettungspolitik

Das Prinzip des Rettens von Anlegern kennen wir schon aus dem Jahr 2008. Damals hatten in Deutschland etwa 50.000 Anleger ihr Geld zu isländischen Banken getragen, um dort etwas bessere Konditionen für Tagesgeld abzugreifen. Island ging als Hedgefonds-Land bekanntlich pleite und das Geld schien verloren. Am Ende paukte die Bundesregierung die Betroffenen durch einen Kredit an die Isländer raus, um deutsche Anleger zu schützen. Das war der Sündenfall. Denn wer sein Geld irgendwo anlegt, um höhere Zinsen zu kassieren und verliert, der muss die Folgen selbst tragen. Das gilt für Sparer genauso wie für Aktionäre. Jetzt haben europäische Politiker entschieden, dass erst ab 2018 die Haftung der Bankeigentümer wieder greifen soll. Was wohl irische Banker dazu sagen?

Artikelbild: Eigener Fundus. Skyline Dubai.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.