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Seien Sie vorsichtig bei Branchenfonds und Themeninvestments

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1. November 2012

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Seien Sie vorsichtig bei Branchenfonds und Themeninvestments

Branchenfonds können eine sehr gute Performance erzielen. Allerdings sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich, wie eine aktuelle Auswertung von Scope zeigt. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Branchenauswahl ab.

 
Aktienfonds, die auf einzelne Branchen setzen, sind riskantere Investments als breit streuende Konzepte. New Economy, Internet, Logistik, Biotech waren die gehypten Branchen oder Themen Anfang des Jahrtausends. Was damals passierte sollte jedem Anleger eine Warnung sein. Zuletzt machten Solarinvestments Anlegern Sorgen. Zumindest kurzfristig.

Die Untersuchung von Scope

Rund 50 Milliarden Euro investierten deutsche Anleger aktuell in Branchenfonds. Grundsätzlich können Brancheninvestments als Portfoliobeimischung und Schwerpunktbildung eingesetzt werden. Die Fondsindustrie ist breit aufgestellt: Derzeit stehen Anlegern 367 Fonds zur Verfügung, die laut Scope insgesamt 17 Branchen abdecken. Das Spektrum reicht von „Rohstoffen“ über „Gesundheit“ bis hin zur „Telekommunikation“.

Die aktuelle Untersuchung der Ratingagentur Scope zeigt, dass nicht alle Brancheninvestments die Erwartungen erfüllen haben. Die durchschnittlichen Renditen über die letzten fünf Jahre fielen höchst unterschiedlich aus: So weisen beispielsweise Fonds mit dem Schwerpunkt auf Finanzwerte im Durchschnitt einen Verlust von 41,3 Prozent auf. Nicht ganz so schlecht aber ebenfalls deutlich negativ schneiden Fonds mit Schwerpunkt „Immobilienaktien Europa“ (-29,6%) bzw. „Grundstoffe“ (-19,4%) ab. Damit ist das Resultat dieser Schwerpunkte schlechter als das global operierender Standardaktienfonds (-13,7%).

Sehr gut schnitten Fonds aus den Kategorien „Aktien – Biotechnologie“ mit 58,1 Prozent und „Aktien – Gesundheit“ mit 21,6 Prozent Rendite in fünf Jahren ab. Ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielten im Schnitt die Fonds der Kategorie „Aktien Nichtzyklische Konsumgüter“. Diese bescherten Anlegern einen Gewinn von 28,6 Prozent.

Wann sich der Einsatz von Branchen + Themenfonds lohnt

Scope kam zu dem Ergebnis, dass die genannten erfolgreichen Kategorien dem Boom dieser Wirtschaftszweige zuzuschreiben ist. Scope weiter: „Dahingegen weisen nichtzyklische Konsumgüter strukturelle Vorteile auf. Sie zeichnen sich durch eine relativ stabile Nachfrage aus und verkaufen sich auch in schwachen Konjunkturphasen.“ Das mache sie krisenresistenter und trage zu einer Risikoreduktion bei. Ein Blick auf die maximalen Verluste der letzten 5 Jahre bestätigt diese These: Der Wert der Fondskategorie „Aktien – Nichtzyklische Konsumgüter“ beträgt -35,1 Prozent und die Volatilität liegt bei 14,9 Prozent. Fonds der Kategorien „Aktien Global“ bzw. „Aktien Europa“ kommen im Schnitt auf einen maximalen Verlust von -48,4 bzw. -52,7 Prozent. Ihre Volatilität lag höher bei 17,2 bzw. 19,3 Prozent.

Die Anlegersicht

Anleger sollten beim Einsatz von Branchen- und Themenfonds vorsichtig sein. Wer sich eine Meinung zutraut, der kann freilich Schwerpunkte in seinem Depot setzen. Festzuhalten ist jedoch auch, dass spezialisierte Fonds dem eigentlichen Fondsgedanken widersprechen. Denn eine breite Streuung in einer Branche hilft kaum, wenn der Risikotreiber identisch ist.

Daher empfehlen erfahrene Anlageberater, immer nur einen geringen Teil des eigenen Gesamtinvestments in Branchenfonds zu investieren.

Hinzu kommt es, dass Branchenfonds oft Verkaufsmoden der Finanzbranche unterworfen sind. Dann läuft der Anleger Gefahr, prozyklisch zum absolut falschen Zeitpunkt in seine eigene Blase zu investieren. Wenn man nicht zu den Ersten gehört, sollte man besser auf die zweite Welle warten. Das gilt auch für Investments in erneuerbare Energien, die zwar langfristig eine bedeutende Zukunft haben sollten, aber kurzfristig aus verschiedenen Gründen vor der Konsolidierung stehen.

Artikelbild: Errol Flynns „kleines“ Segelboot Zaca. Wiki Commons. Urheber: Donan Raven.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.