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Investmentexperten kritisieren Steinbrücks Positionspapier

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1. Oktober 2012

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Investmentexperten kritisieren Steinbrücks Positionspapier

Der Bundesverband Alternative Investments (BAI) kritisiert das jüngste Steinbrück-Papier und fordert auf Qualität statt Quantität in der Regulierung zu setzen.

Der BAI sieht das Positionspapier „Vertrauen zurückgewinnen: Ein neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte“ von Peer Steinbrück teilweise als redundant, also überflüssig und überholt, und nicht faktenbasiert an. Diese Position wird von dem Verband folgendermaßen untermauert.

Frank Dornseifer. BAI

Frank Dornseifer, Geschäftsführer beim BAI, beurteilt das Papier so: »Wir finden in dem Papier wenig neue Ansätze beziehungsweise Vorschläge. Es ist eine Darstellung der Regulierungsvorhaben, die auf europäischer und nationaler Ebene derzeit mit Hochdruck vorangetrieben werden beziehungsweise sich schon im Umsetzungsprozess befinden, angefangen von Transaktionen mit OTC-Derivaten, Leerverkäufen, dem Hochfrequenzhandel, Schattenbanken, Basel-III etc. Wenn Herr Steinbrück jetzt aber den Eindruck erwecken will, es wäre bislang viel zu wenig passiert beziehnungsweis es müsste noch mehr gemacht werden, dann ist dies Wahlkampfaktivismus, der an dieser Stelle fehl am Platz ist. Der Ruf nach immer mehr Regulierung wird langsam unglaubwürdig, vor allem wenn man die Faktenlage betrachtet. Zudem brauchen wir effiziente Regulierung, die sich auch erst einmal in der Praxis bewähren kann.«

Der BAI kritisiert zudem Falschdarstellungen im SPD-Positionspapier, wie beispielsweise zur Finanztransaktionssteuer oder zu Schattenbanken. Hierzu erläutert Dornseifer: »Der wesentliche Anteil der Transaktionssteuer wird am Ende doch vom Bürger gezahlt werden, egal, ob er sein Geld direkt oder über Fonds, zum Beispiel zur Altersvorsorge, anlegt. Dieser Umstand wird aber auch im Positionspapier leider verschwiegen. Ebenso der Umstand, dass selbst einschlägige Fachgremien wie das Financial Stability Board (FSB) oder die EU-Kommission Hedgefonds oder Private Equity nicht im Kern der Schattenbankendiskussion sehen.«

Private Equity – Hedgefonds und Schattenbanken

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „In dem Steinbrück-Papier wird behauptet, dass Hedgefonds und Private-Equity-Fonds den größten Marktanteil der Schattenbanken ausmachen würden. Diese Behauptung ist falsch, und zwar aus mehreren Gründen. Das Financial Stability Board wie auch die EU-Kommission bezeichnen als Schattenbanken Akteure auf den Finanzmärkten, die bankähnliche Geschäfte durchführen. Dabei geht es insbesondere um die Übernahme bzw. Weitergabe von Kreditrisiken sowie die Fristen- bzw. Liquiditätstransformation. Derartige bankähnliche Geschäfte, insbesondere vergleichbar zum Einlagengeschäft, also der Annahme von Kundengeldern u.a. zur Tätigung von Kreditgeschäften, werden aber von Investmentfonds in der überwiegenden Mehrzahl nicht durchgeführt. Lediglich in Teilbereichen, z.B. bei Geldmarktfonds oder bei Investmentfonds, die in erheblichem Umfang in Kreditderivate investieren, gibt es eine Vergleichbarkeit von Geschäftsaktivitäten und den damit verbundenen Risiken. Die Begriffe Hedgefonds und Private Equity tauchen daher zum Beispiel im Grünbuch der EU-Kommission gar nicht auf.“

Dornseifer fügt hierzu abschließend an: »Im Steinbrück-Papier bleibt auch unberücksichtigt, dass z.B. das von Hedgefonds weltweit verwaltete Anlagevermögen nur ca. drei Prozent des Anlagevolumens entspricht, das das FSB den Schattenbanken zuordnet. Gleiches gilt für die Private Equity Branche. Es ist daher falsch, insbesondere Hedgefonds und Private Equity als Synonym der Schattenbanken zu bezeichnen und diesen den größten Marktanteil im Schattenbankensektor zuzuschreiben«.

Der BAI ist die Interessenvertretung der in Deutschland im Bereich Alternative Investments engagierten Marktteilnehmer. Zur Homepage.

Artikelbild: VZ NRW. Pressebilder.
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