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Einmalige Chancen gibt es nicht

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22. Januar 2012

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Einmalige Chancen gibt es nicht

Unerfahrene Geldanleger glauben oft, dass man als Firstmover, also als Pioniere agieren muss, um erfolgreich bei der Geldanlage zu sein. Das ist ein meist teurer Irrtum, denn die waren Schnäpchen machen immer die anderen.

Nicht der Erste in einem Markt verdient am besten, sondern wer ein erfolgreiches Geschäftsmodell etablieren kann. Anfang des Jahrtausends bestand der Neue Markt aus zahlreichen Unternehmen, die selbst definierte Märkte als Weltmarktführer erobern wollten. Wer kennt heute noch die Namen der Nemax-50-Unternehmen? Niemand. Im Gegenteil: Unternehmen wie Google oder Facebook gab es damals noch gar nicht. Dennoch sind diese Unternehmen die Stars der Internetbranche von heute, während beispielsweise der Suchmaschinenanbieter Yahoo ein eher trauriges Börsenbild abgibt.

In Wachstumsmärkte investieren

Die Verbreitung des Internet Ende der 90er-Jahre löste eine Hysterie für Unternehmen, die sich dort tummelten aus. Wer als Investor breit gestreut einstieg, der musste manche Verlierer kompensieren. Ein kleines Gedankenspiel: Falls man damals in zehn Unternehmen investierte und neun gingen den Weg alles Irdischen, dann musste das zehnte Unternehmen auf satte 1000 Prozent zulegen, damit man sein Geld zurückbekam. Möglicherweise ist es ein bessere Überlegung, nicht sofort auf den Homerun zu setzen, sondern abzuwarten, wer sich letztlich durchsetzt, denn zu viele Totalverluste lassen sich nicht mal in einem breit gestreuten Investmentdepot kompensieren.

Auch zeigt die Entwicklung des Internet, dass man die Gewinner nur schwierig identifizieren kann: Zu Beginn dachte man, dass bezahlte Plattform-Communities für User eine wichtige Hilfe sind und diese den Markt beherrschen würden. Inzwischen haben viele User gelernt, ihre nicht vorgedachten Schritte im Netz zu tun. Mit dieser Entwicklung sind Suchmaschinen zu den wichtigsten Partnern im WWW aufgestiegen. Auch in einem anderen Feld haben sich die Träume mancher Firstmover nicht bewahrheitet: Das Zahlen im Internet nutzt immer noch überwiegend traditionelle Wege. Zahlreiche eCash-Systeme haben sich nicht durchgesetzt – das ist keine Prognose, sondern eine Feststellung.

Führungswechsel sind an der Tagesordnung

In einem anderen hart umkämpften Sektor, dem für Mobiltelefonie, hatten sich ebenfalls nicht die ersten Herausforderer durchsetzen können. Nokia verliert seit Jahren an Marktanteilen und mit Apple ist inzwischen ein völlig neuer Wettbewerber auf den Plan getreten. Inzwischen sind die besten Kommunikationsmittel kleine mobile Computerstationen und nicht einfach nur Handys.

Wichtig für Anleger: Die Gewinner von heute könnten die Verlierer von morgen sein. Oder positiv formuliert: Es gibt immer neue Chancen. Einmalige Chancen gibt es nur in toll erzählten Geschichten.

 

 

 

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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.