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Was ist eigentlich… ein Leverage?

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1. Februar 2012

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Was ist eigentlich… ein Leverage?

Die einfache Übersetzung sagt es schon: ein Hebel. In der Finanzwelt ist meist ein Kapitalhebel gemeint. Banker sprechen gerne von „leveragen“. Das hört sich schick an, ist aber sehr gefährlich.

In der Betriesbwirtschaftslehre ist der „Leverage-Effekt“ schon länger bekannt. Dabei geht es um die Idee, bei einer Finanzierung das Eigenkapital mit Fremdkapital zu ergänzen. Dadurch ergibt sich, wenn es gut geht, eine bessere Eigenkapitalverzinsung. Freilich funktioniert das nur, wenn die Fremdkapitalzinsen niedriger als die Gesamtverzinsung des Projekts ist. Ein Beispiel: Ein Projekt wird zu 50 Prozent aus Eigen- und zu 50 Prozent aus Fremdkapitalmitteln finanziert. Die Rendite des Gesamtprojektes betrage zehn Prozent und die Fremdkapitalzinsen liegen bei fünf Prozent. Bei den Daten ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent bei einer Gesamtkapitalrendite nach Fremdkapitalkosten von 7,5 Prozent. Denn die fünf Prozent zusätzlicher Rendite, die mit dem Fremdkapital erzielt wurden, kommen dem Eigenkapitalgeber voll zugute.

Bei Wertpapieranlagen bezieht sich der Begriff Leverage ebenfalls auf den Einsatz von Fremdkapital. Dieses wird beispielsweise als Kredit finanziert mit den Wertpapieren als Sicherheit. Der Leverageeffekt ist stark abhängig von der Kursentwicklung. Liegt man falsch mit einer Kursprognose, dann beschleunigt sich der Kapitalverzehr zusätzlich. Die Ausleihkosten addieren sich zu den Kursverlusten.

Es gab spektakuläre Fälle von Investoren, die beispielsweise Übernahmen kreditfinanzierten und dabei ein schlechtes Timing bewiesen. In Deutschland ist die Fast-Pleite der Schaeffler-Gruppe bei dem Übernahmeversuch von Continental besonders bekannt geworden. Das Unternehmen erhielt während der Finanzkrise etwa 90 Prozent der Conti-Aktien zu einem Preis von 75 Euro angediehen. 40 Prozent der Aktien wurden an Banken weitergereicht. Der Conti-Kurs befand sich danach auf Krisen-Talfahrt und die Sicherheiten verflüchtigten sich. Da die Finanzierung überwiegend mit Fremdkapital durchgeführt wurde, kam das Unternehmen dann selbst in die Krise. Der Leverage-Effekt hat also manchmal auch erhebliche  Nachteile. Hätte Schaeffler die Übernahme hingegen nur mit Eigenkapital finanziert, dann wäre der Kurs von Continental für den Übernehmer einigermaßen unwichtig gewesen. Schaeffler geht es jetzt finanziell wieder besser und der Kurs von Conti ist ebenfalls wieder in anderen Regionen (Stand 2012), aber die Mehrheits- und Machtverhältnisse haben sich geändert.

Anleger sollten niemals mit hohen Kapitalhebeln auf Kredit spekulieren und Investoren auch nicht. Das ist zwar nicht schick und klingt langweilig, schützt aber vor falschen Ratgebern und unnötigen Totalverlusten.

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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.