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DSW warnt vor Griechen-Anleihen-Falle

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4. Dezember 2012

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Ein Teil des Geldes von den Partnern wollen die Griechen für den Kauf von Alt-Anleihen ausgeben. So reduzieren sich die nominalen Schulden des Landes. Für Anleger könnte das keine gute Idee sein, meint die DSW.

Die griechische Regierung will einen Teil ihrer Schulden zurückkaufen. An sich keine schlechte Grundidee. Privatanleger können bis Freitag ihre Preisvorstellung nennen. Die vorgegebene Spanne reicht dabei je nach Laufzeit der Anleihen von rund 30 bis 40 Prozent des Nennwertes. Die Aktion erfolgt als sogenannte „holländischen Auktion“. Danach wird aus allen Angeboten der Durchschnittspreis gebildet. Zum Zug kommen dann nur die Anleger, die genau diesen Wert oder weniger aufgerufen haben. Wer zu viel verlangt hat, behält seine Wertpapiere.

Position der DSW

Mark Tüngler (DSW)

Die DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) rät Anlegern von einer Teilnahme an diesem Verfahren ab. »Wer aussteigen will, sollte dies über die Börse tun. Grundsätzlich sollte man aber ohnehin nur dann verkaufen, wenn aktueller Finanzbedarf besteht und man mit den steuerlichen Folgen leben kann. Denn eins ist klar: Wer aussteigt, egal auf welchem Weg, gibt möglicherweise die Klageberechtigung aus der Hand« kommentiert DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler das griechische Rückkaufangebot.

Hintergrund

Wer Papiere verkauft, die ihm gegen seinen Willen eingebucht wurden, handelt als Eigentümer und akzeptiert damit die Eigentümerposition: »Es gibt Juristen, die darin eine nachträgliche Zustimmung in den Zwangsumtausch sehen. Und wer zugestimmt hat, der hat keine Klageberechtigung mehr.« So Tüngler.

Steuerlich gelten laut DSW zumindest die durch Zwangsumtausch bezogenen Papiere wohl als Finanzinnovationen. Im günstigen Fall wird dabei die Differenz zwischen Verkaufserlös und Einstandspreis versteuert. Im ungünstigen Fall – wenn kein Einstandskurs eingebucht wurde – wird der gesamte Verkaufserlös steuerwirksam. Kein angenehmes Risiko also.

Anleger – was tun?

Der Prozess dürfte langwierig sein und der Ausgang ist bei allem Verständnis für die Position des DSW, die Anleger bei der Klage unterstützen, ungeklärt. Auf der anderen Seite ist Griechenland erkennbar bankrott und vielleicht ist ein Ende mit Schrecken vorzuziehen. Das wird Anlegern leichter fallen, die Verluste realisieren können. Zuletzt zogen die Kurse angesichts des unverhofften Angebots an. Diese Spekulation dürfte in Kürze vorbei sein.

Welche Zeiträume bei Klagen eine Rolle spielen zeigt das Beispiel Argentinien. Diese wurden zwar jetzt von einem US-Gericht zur Rückzahlung von Anleihen verdonnert, aber die Rendite dürfte selbst dann für Alt-Anleger, die ausgeharrt haben, mäßig ausfallen.

Artikelbild: Wiki Commons.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.