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„Mit unserer Technologie werden wir eine Vielzahl von hochwertigen Kandidaten für Medikamente liefern“ – Dr. Olaf Schröder über seine Suche nach Medikamenten gegen ZNS-Krankheiten

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23. Januar 2014

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„Mit unserer Technologie werden wir eine Vielzahl von hochwertigen Kandidaten für Medikamente liefern“ – Dr. Olaf Schröder über seine Suche nach Medikamenten gegen ZNS-Krankheiten

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an Erkrankungen des zentralen Nervensystems – so die momentane Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Suche nach Medikamenten gegen Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose ist beschwerlich. Das Rostocker Unternehmen NeuroProof arbeitet an Neurochips, an denen man neue Medikamente gegen Krankheiten des zentralen Nervensystems testen kann. Diese Chips sollen besonders sensitiv sein und präzisere Ergebnisse ermöglichen – und das frei von Tierversuchen. Mittels Crowdfunding möchte NeuroProof nun Kapital für die nächsten Entwicklungsschritte sammeln. Wir haben mit dem CEO des Unternehmens, Dr. Olaf Schröder, über die Neurochips, Crowdfunding und die Zukunftspläne gesprochen.

 

Herr Schröder, Ihr Unternehmen hat einen Chip entwickelt, mit dem sich Medikamente gegen Krankheiten des zentralen Nervensystems messen lassen. Das klingt fast nach Science Fiction. Wie sensitiv sind diese Chips? Sind sie mit den menschlichen Nervenzellen vergleichbar?

Dr. Olaf Schröder

Dr. Olaf Schröder

NeuroProof hat vor allem Verfahren entwickelt, mit denen sich die Informationen, die man mit solchen Neurochips gewinnen kann, deutlich vorhersagbarer auswerten lassen. Dies ist die eigentliche innovative Leistung der NeuroProof. Diese Nervenzellen sind physiologisch sehr sensitiv gegenüber chemischen Reizen. Darüber hinaus reagieren sie aber auch sehr spezifisch für jede einzelne Substanz. Für jede Substanz erhalten wir einen sogenannten elektrophysiologischen funktionalen Fingerprint, der die Substanz charakterisiert. Diesen übersetzen wir dann in die Sprache des Pharmakologen, ob eine Substanz für die Therapie einer bestimmten Krankheit geeignet ist. Als Ergebnis sind wir in der Lage, eine mögliche Wirkung der Substanz im menschlichen Gehirn sehr gut vorherzusagen. Wenn wir mit Nervenzellen von Mäusen arbeiten ist die Übertragbarkeit auf die menschliche Situation natürlich zu hinterfragen, obwohl grundlegende Funktionen in der Maus und vom Menschen gut vergleichbar sind.

Der Trend geht jetzt dahin, diese Zusammenhänge an menschlichen Zellen zu messen, indem man menschliche Stammzellen auf diesen Neurochips ausdifferenziert. Hierzu werden zum Beispiel Hautzellen des Menschen in den Zustand einer Stammzelle zurückversetzt – also reprogrammiert – und anschließend zu Nervenzellen hin entwickelt bzw. differenziert. Das klingt nun auch für mich schon als Science Fiction, jedoch arbeiten führende Unternehmen weltweit an solchen Verfahren. Und auch die NeuroProof ist hier mit dabei. In der Tat ist unsere Technologie hierzu besonders gut geeignet. Es handelt sich um eine komplexe, vielversprechende Technologie bei der noch einige Hürden zu bewältigen gibt. Wir können allerdings schon gute Ergebnisse vorweisen.

Welche Vorteile ergeben sich aus Ihrer Test-Methode?

Der wichtigste Vorteil lässt sich mit dem Begriff „phänotypisches Testen“ beschreiben. In den letzten Jahrzehnten versuchte man zunehmend, die Wirkung von ZNS-Medikamenten molekular zu beschreiben und darauf aufbauend die Wirkung neuer Moleküle in Bezug auf einen Zielwirkungsort zu beschreiben. Dieser rationale Entwicklungsansatz ist jedoch nur bedingt erfolgreich. Nur zwei von zehn so entwickelten ZNS-Medikamenten erreichten die Zulassung. Das Gehirn ist so komplex, dass sich die Wirkung eines Moleküls nur sehr bedingt durch einen Mechanismus bzw. eine Zielstruktur vorhersagen lässt. Zumal die Ursachen vieler Krankheiten des Gehirns nur wenig verstanden sind.

Wir gehen jetzt wieder einen Schritt zurück zum klassischen Modell, bei dem man Substanzen mehr oder weniger zufällig im Tier getestet hat und somit an lebenden „Zellen“ deren Wirkung beobachten konnte. Den Tierversuch haben wir jetzt auf den Neurochip in ein komplexes Zellkulturmodell verlagert. Damit kann man wesentlich mehr Versuche viel kostengünstiger durchführen. Und die Zellen lassen sich präziser beobachten. Jetzt bekommen wir den besagten phänotypischen funktionalen Fingerprint einer Substanz und können vorhersagen, ob die Substanz für die Heilung einer speziellen Krankheit potentiell geeignet ist. Der große Vorteil besteht dann darin, dass wir so auch völlig neue Wirkungsansätze finden können, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hat.

Wie hoch ist das Interesse an Ihrem Produkt?

Unser Verfahren ist sehr innovativ und benötigt daher doch einige Überzeugungsarbeit. Mit der im Moment sehr schwierigen Situation bei der Neuentwicklung von Medikamenten für Krankheiten des Gehirns in der Pharmaindustrie ist man für solche neuen Entwicklungsansätzen jedoch deutlich offener eingestellt. Das spüren wir ganz deutlich. Es gibt kaum neue Medikamente für so wichtige Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer, Epilepsien etc. Unser Ansatz hilft dabei, diese sehr effizient zu finden. Die überwiegende Zahl unsere Kunden ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden und beauftragt uns mit Anschlussprojekten.

Sie sammeln nun Kapital über das Crowdfunding. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Solche Technologien sind natürlich relativ teuer und erfordern zuerst einen großen Kapitaleinsatz. Für uns ist diese Form der Finanzierung eine interessante Ergänzung zu bestehenden Finanzierungsformen und rundet dieses Portfolio sehr schön ab. Crowdfunding ist ein idealer Weg für Anleger, die Innovationen voranbringen möchten, um sich in Firmen wie die unsere zu engagieren. In einem Land wie Deutschland, deren Wohlstand auf Innovationen basiert, sollte das selbstverständlich werden.

Wofür soll das Kapital verwendet werden?

Wir wollen mit diesem Kapital unsere Testkapazität um den Faktor zehn erhöhen, indem wir in neue eigens entwickelte Technik investieren. Wir wären somit weltweit die Einzigen in dieser Leistungsklasse.

Und wie sehen die Zukunftspläne langfristig aus?

In den nächsten drei Jahren werden wir die Anzahl und Qualität unserer Projekte weiter deutlich erhöhen. Mit unserer Technologie werden wir eine Vielzahl von hochwertigen Kandidaten für Medikamente liefern. Ziel ist es, mit größeren Pharmafirmen Kooperationsprojekte über sogenannte Meilensteinzahlungen zu realisieren. Hierzu gibt es sehr gute Ansätze die aber der Vertraulichkeit unterliegen. Unser Verfahren ist auch geeignet um Substanzbibliotheken zu testen. Hier erwarten wir in der nächsten Zeit ein größeres Projekt.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg, Herr Schröder!

Weitere Informationen: NeuroProof auf Deutsche Mikroinvest.

 

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Der Autor

Lena Ostrovskih