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DAX-Tricks

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2. Juli 2013

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DAX-Tricks

Der DAX hat in 25 Jahren seinen Wert fast verachtfacht. Was wie eine reine Erfolgsgeschichte aussieht, ist ein mathematischer Trick.

Am 1. Juli 1987 startete der DAX mit einem Indexstand von 1.000 Punkten. 25 Jahre danach notiert der Index einen Schnaps unter 8.000 Punkten. Was nach puren Kursgewinnen bei Aktien aussieht, ist bei näherer Betrachtung für Anleger weniger als gedacht.

Zum einen werden die Dividenden im DAX reinvestiert und zwar ohne Berücksichtigung der zu zahlenden Steuern und stabilisieren den Index. Das ist durchaus sinnvoll, denn seit der DAX existiert, hat der Gesetzgeber immer wieder an der Steuerschraube gedreht. Noch um die Jahrtausendwende waren Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer der Aktien steuerfrei. Später hat der Gesetzgeber dann Anreize zu kurzfristigem Handeln gesetzt und sich so an dem ungeliebten Rein-Raus der Märkte beteiligt. Freilich nicht ohne die erhöhten Aktivitäten an den Aktienmärkten zu kritisieren.

Oft wird bei Indexbetrachtungen übersehen, dass jeder Investor Kosten für sein Investment hat, die der Index selbst nicht aufweist. So zahlt man für nicht gemangte Anlagen heutzutage etwa 0,5 Prozent. Nach 25 Jahren und Zinseszinseffekten ergibt sich ein ordentlicher Batzen, der an Kosten entsteht und die Performance des Investments drückt. Die preiswerten Indextracker gab es zudem 1987 noch gar nicht. Hohe Kosten verursachen insbesondere gemanagte Investments, die oft 1,5 Prozent der Investmentsumme kosten und auch einen negativen Zinseszinseffekt ausmachen. Rechnet man die Kosten für die Umschichtungen hinzu, dann geht hier viel Performance verloren. Denn schließlich schlagen nur wenige Geldmanager dauerhaft den Index und die soll man erstmal vorher herausfiltern.

Die Perfomance des DAX sollte auch um die Inflation bereinigt werden. Denn wer im Jahr 1987 investierte, dessen Investitionssumme kann heute, 25 Jahre danach, nur noch etwa die Hälfte der Produkte von damals kaufen. Der preisbereinigte Indexstand des DAX beträgt also nur etwa 4.000 Punkte. Wer sich den DAX im letzten Jahrzehnt anschaut, der wird sich ohnehin fragen, was so toll ist am Deutschen Leitindex. Denn der hat sich vor allem im negativen Terrain bewegt.

Immerhin hat das Investment durch Einführung des Euro im letzten Jahrzehnt an Außenkaufwert gewonnen. Aber das zählt nur für Auswanderer.

Für diesen Geburtstag galt jedenfalls: viel Lärm um nix.

Artikelbild: Börse Stuttgart. Pressefoto.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.