Monday, May. 17, 2021

Anleger aufgepasst: Immobilien sind keine Handelsinstrumente

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28. Mai 2013

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Anleger aufgepasst: Immobilien sind keine Handelsinstrumente

Es ist bitter immer wieder die gleichen Fehler bei der Geldanlage kommentieren zu müssen. Anleger sollten die Finger vom Immobilienhandel lassen.

Die HVB hat es gemacht, die Amerikaner sowieso und die WGF auch. Immobilien als Handelsinstrument zu nutzen ist gefährlich. Richtiger ist eine längerfristige Perspektive bei Immobilieninvestments. Wenn man das größere Bild betrachtet, dann müssen zunächst die Erwerbsnebenkosten eingespielt werden. Während man Aktien für kleines Geld an der Börse handeln kann, sind bei Immobilien locker zehn Prozent bei solchen Deals erstmal weg. Da Immobilien nicht täglich an der Börse gehandelt werden, fehlt es zudem an einer zeitnahen Bewertung der Investments. Wertgutachten von Sachverständigen machen Preise plausibel und sonst nichts. Schließlich benötigt man einen Käufer und je nach Marktlage lassen sich Immobilien nicht ohne große Verluste verhökern, denn warum sollte ein Käufer einem klammen Eigentümer den richtigen Preis zahlen?

In den USA bestand das Gesellschaftsspiel darin, Häuser zu kaufen, darin zu leben und mit hohem Aufschlag zu verkaufen. Finanziert meist kurzfristig und/oder mit variablem Zins. In solch einem Geschäft stecken hohe Risiken, denn der Zinssatz könnte steigen, die Preise fallen und das Finanzkartenhaus fällt zusammen. Diese Entwicklung kennen wir aus der US-Immobilienkrise. Hinzu kamen Verkäufer, die jedem, der wollte oder auch nicht, einen Hypothekenvertrag anboten.

Nur die Initiatoren verdienen immer

Wenn man es böswillig formulieren will, dann dienen solche Immobilienhandelsunternehmen zur eigenen Bereicherung. Das geht dann so: Man zieht völlig legal ein Immobiliengeschäft auf und sucht sich Investoren, wobei die Finanzierungsart – Fonds, Beteiligungen, Anleihen oder Aktien – völlig egal ist. Geht es gut, dann hat man jahrelang einen gut bezahlten Job und am Ende bringen die Investments auch noch eine ordentliche Rendite für die eigene Beteiligung am Unternehmen. Geht es schief, dann müssen die Investoren bluten und man selbst muss nur die Regeln eingehalten haben, um straffrei auszgehen, denn schlechte Konzepte stehen nicht unter Strafe.

In Köln steht ab Juni der Ex-Vorstand der Oppenheim-Bank und ein Immobilienunternehmer vor Gericht. Man hat sich verspekuliert und wollte die Verluste anderen aufbürden, so der grob zusammengefasste Vorwurf. Über die S&K-Pleite muss man nichts mehr berichten. Die zwei Vorstände haben es übertrieben und Partys gefeiert und müssen sich jetzt dafür verantworten.

Anleger sollten die Finger von Investments lassen, wenn das Immobilienunternehmen tendenziell langfristige Engagements mit kurzfristigen Schuldtiteln finanzieren will. Das kennt man von der HVB und neuerdings von der WGF in Düsseldorf: Der sehr umtriebige und sprachgewante Pino Sergio hatte ständig neue Finanzquellen aufgetan und attraktive Zinsen geboten, aber irgendwann scheiterte sein Konzept offenkundig und jetzt müssen die Anleger in Anleihen-Gläubiger und Genussscheininhaber auf eine gute Quote hoffen. Schuld ist nicht nur Sergio, sondern auch naive Investoren. Spätestens als das Unternehmen Genussrechte ausgab, musste man gewarnt sein und durfte nicht mehr investieren. Es fehlte dem Unternehmen ganz offensichtlich an einer ausreichenden Finanzbasis, um Schwächephasen durchzustehen.

Schon der olle Kostolany warnte als guter Börsianer  immer wieder vor Immobilieninvestments. Die einzige Ausnahme bestand in der selbstgenutzten Immobilie. Zudem müssen sich viele Anleger mit Eigentumswohnung die Frage stellen, ob sie mit zusätzlichen Geldanlagen in Steinen nicht überinvestiert in dieser Assetklasse sind.

Artikelbild. Beratungssituation Pressefoto Interhyp. Interhyp bietet Finanzierungen für Immobilien an.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.