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Anlagebetrug: Schneebälle immer noch beliebt

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22. Januar 2012

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Anlagebetrug: Schneebälle immer noch beliebt

Die Welt ist ein Schneeball. Die Finanzwelt ohnehin. Besonders im Zusammenhang mit Finanzanlagen hat sich immer das gleiche Betrugssystem durchgesetzt. Eine unvollständige Betrachtung. Den Rekord hält Bernard Madoff, dessen 50-Milliarden-Schwindel im Jahr 2008 aufflog.

Im Jahr 2008 wurde Bernard L. Madoff wegen Betrugs verhaftet. Er hatte Jahrzehnte seinen Investmentfonds als Schneeballsystem betrieben. Dabei zahlt man Gelder an Investoren, die aus dem Konzeptbetrug aussteigen wollen, mit Geldern, die man bei Neukunden einsammelt. Das funktioniert so lange bis irgendwann zu viele Anleger gleichzeitig aussteigen wollen.

Seine „Opfer“ traf Madoff gerne beim Golfspielen im Countryclub. Zu seinen Opfern gehörten zahlreiche Prominente aus dem Showbusiness. Sein System brach zusammen, da zu viele Anleger wegen der heraufziehenden Finanzkrise im Jahr 2008 ihr Geld zurück wollten, um andere Löcher zu stopfen. Letztlich hatte Madoff sich von den eingesammelten Milliarden ein schönes Leben als Philanthrop geleistet. Im Juni 2009 wurde „Berny“ zu 150 Jahren Haft verurteilt. Einige Banken und Fondsdienstleister hatten ebenfalls nicht genau hingeschaut, gaben eine finanzielle Teilschuld zu und entschädigten die Anleger. Andere dachten und denken immer noch, sie hätten nichts falsch gemacht und prozessieren fleißig weiter gegen ihre Kunden. Etwas perfide war, dass Madoff durch sein Auftreten besonders gemeinnützige Stiftungen anzog und diese mit in den Strudel des eigenen Untergangs zog. Kurz nach Madoff flogen dann andere kleinere US-„Ponzi-Schemes“ auf.

Der Namens-Patron

Die Bezeichnung Ponzi-Scheme ehrt den Italiener Carlo Pietro Giovanni Guglielmo Tebaldo Ponzi (kurz Charles Ponzi; 1882-1949). Das Konzept seines Betrugs sah Ponzi, der zunächst bei einer Bank arbeitete, bei seinem Patron Luigi Zarossi, der wegen eines Betrugs nach Mexiko floh. Nach einem Gefängnisaufenthalt in Atlanta nutzte Ponzi die langwierige  Kommunikation der damaligen Zeit, um sein Betrugsspiel ins Laufen zu bringen. Er sammelte Geld im großen Stil mit der Erklärung ein, er lege das Geld Übersee „hochprozentig“ an. Das passierte natürlich nicht oder nur mit sehr geringen Summen. Ansonsten zahlte er seine Gewinner aus, indem  er immer neue Gelder einwarb. Der Schaden, den Ponzi anrichtete lag bei seinerzeit dramatischen 150 Millionen US-Dollar. Er war trotz seines Betruges später immer noch beliebt und lebte weiterhin ein rasantes Leben in Italien und später zuletzt in Brasilien. Er starb 1949 in einer Armenabteilung eines Krankenhauses.

Vorgänger aus Deutschland

Die Bezeichnung Ponzi ist historisch betrachtet zumindest fragwürdig: Bereits aus dem Jahr 1746 ist ein deutsches Schneeballsystem bekannt. Die „Dukatensozietät“, die von Karl-Ludwig Wied-Neuwied (1710-1765). Wer Mitglied dieses Systems wurde, der zahlte einen Dukaten und warb neue Mitglieder an, um selbst Dukaten zu empfangen. Das System wurde bei über 400 Teilnehmern dann verboten. Heutzutage nennt man solch ein Konstrukt einen Schenkkreis. Das Bundesverfassungsgericht hat solche Konzepte als illegal eingeordnet, aber auch den Unterschied zu legalen Vertriebsmethoden herausgearbeitet.

Einen Schritt weiter ging in Deutschland eine Frau. Adele Spitzeder (1832-1895) war eine glücklose Schauspielerin mit hohen Ansprüchen, die eine bayrische Privatbank gründete und Einzahlern hohe Zinsen – bis zu zehn Prozent pro Monat – versprach. Sie konnte sich vor Anlegern kaum retten und leistete sich ein schönes Leben. Irgendwann brach das System dann zusammen.

Aber auch in jüngerer Vergangenheit sind weitere reine Schneeballsysteme bekannt. Beim Konya-Modell gewann ein türkischer Finanzbetrüger das Vertrauen seiner Mitbürger und lockte mit hohen Renditen bis zum Zusammenbruch. Zwischen 200 000 und 300 000 Anleger wurden alleine in Deutschland geschädigt. Eingesammelt wurden Milliardenbeträge. Inzwischen werden die Konzepte immer internationaler, um Anlegern die Einsicht in Details zu erschweren. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft deckte im Spätherbst 2011 ein weiteres Betrugssystem in Deutschland, der Schweiz, Spanien, Kanada und Litauen auf.

 

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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.