Monday, Jul. 6, 2020

Märkte im Januar 2012

Märkte im Januar 2012

Die Aktienmärkte übertreiben gerne. Im Januar überwogen die schlechten Konjunkturprognosen, zahlreiche Herabstufungen gab es ebenfalls und dennoch legten deutsche Aktien gemessen am DAX im Januar satte 560 Punkte drauf. Die erreichten Höhen könnten etwas luftiger werden. Aber: Der Trend ist gesetzt.

Das Kursplus des Dax im Januar entspricht fast zehn Prozent. Auch der finanzlastige Euro Stoxx 50 konnte im Januar über sechs Prozent gutmachen. Dabei hatten Weltbank, IWF und andere Auguren ihre Wirtschaftsprognosen unisono gesenkt und zeichneten ein eher düsteres Bild von der konjunkturellen Zukunft. Europa spielt nach Einschätzung von Prognostikern dabei das Zünglein an der Waage. Sollten die Europäer ihre Probleme nicht in den Griff bekommen, dann droht ein erneuter Absturz der Konjunktur, der diesmal noch heftiger zuschlagen könnte als im Jahr 2008 – so schätzt zumindest die Weltbank die Lage ein.

Gute Stimmung bei Aktien

Den Aktienmarktteilnehmern konnten die gesenkten Wirtschaftsaussichten im Januar jedenfalls nicht die Laune verderben. Der ifo-Index legte im abgelaufenen Monat zum dritten mal in Folge zu und zeigt Optimismus in der deutschen Wirtschaft an. Für Kommentatoren und die Münchner Wissenschaftler entstanden daraus manche Kommentierungsprobleme, aber das ist nur ein Randaspekt. Daneben wurden gleich mehrere Staaten von US-Ratingagenturen herabgestuft. Diesmal blieb an den Aktienmärkten ein breiter Verkauf aus.

Entscheidend waren im Januar die Notenbanken: Die Aktienmarktteilnehmer reagierten euphorisch auf die geldpolitischen Ankünigungen von Europäischer Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed. Die Amerikaner wollen bis zum Jahr 2014 bei der aktuellen Niedrigzinspolitik bleiben. Auch die EZB reagierte entschlossen unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi und will die Banken mit unbegrenzter Liquidität versorgen. Das stützte den Aktienmarkt, der zunächst nervös in das neue Jahr startete.

Anleihen

An den Bondsmärkten kann zwar von endgültiger Entspannung noch keine Rede sein, aber zumindest sind die ersten spanischen und italienischen Auktionen ohne Probleme überstanden. Während zehnjährige Bundesanleihen mit 1,8 Prozent rentieren, müssen Spanier knapp fünf und Italiener sechs Prozent zahlen. Portugal kann sich mit aktuell 16 Prozent nicht mehr am freien Markt refinanzieren und Griechenland ist mit 34 Prozent weiter fast sicherer Pleitekandidat.

Die Investorensicht

Welche Folgen die expansiven Notenbankpolitiken in Zukunft für die Vermögenswerte in Europa und in den USA haben werden ist noch nicht abschließend zu beurteilen. Bislang jedenfalls sind befürchtete inflationäre Effekte ausgeblieben. Viele Anleger sehen offenbar in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen keine Alternative zu Investments in Aktien und kaufen dort zu. Sicher ist: Der Aktienmarkt befindet sich derzeit in einem völlig intakten Aufwärtstrend und der Schwung mit dem der Markt in das neue Jahr startete dürfte viele professionelle Marktteilnehmer überrascht haben. Zuspätgekommene tragen jetzt den aktuellen Aufschwung.

 

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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.