Saturday, Nov. 1, 2014

Wie man schlechte Anlagekonzepte erkennt

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25. Februar 2013

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Wie man schlechte Anlagekonzepte erkennt

Nach der Finanzkrise suchten Anleger Sicherheit. Manchmal handelt es sich nur um Marketingtricks. Besonders Immobilieninvestments werden als besonders sicher beworben.

Es gibt drei gute Gründe, um manches Anlagekonzept gedanklich in die Tonne zu hauen und keinen Cent zu investieren. Da gibt es zunächst den Lebensstil der Initiatoren. Wer als Macher in Saus und Braus lebt, der geht mit Geld nicht sehr vertrauenerweckend um. Denn die Finanzierung von Eskapaden der Konzeptbetreiber geht zu Lasten der Anleger. Immer.

Ein anderes Argument, sich nicht zu lange mit einem Konzept zu beschäftigen, sind außergewöhnlich hohe Renditen, die versprochen werden. Bei der Rendite gibt es eine klassische Frage, die kein Betreiber eines schlechten Konzeptes zufriedenstellend beantworten kann. Wenn ein Investment so vielversprechend ist, dann sollte das Gegenüber erläutern, warum man das Geschäft nicht mit eigenem Geld selbst macht oder eine Bank zur günstigeren Finanzierung heranzieht. Wo ist der Haken?

Das dritte Kriterium zum Ausschluss bezieht sich auf das gewählte Geschäftsmodell. Geldanlagen – nicht mal sichere – sollten nicht auf Kredit erfolgen. Niemals. Falls ein Anlagekonzept die Aufnahme von hohen Fremdkapitalmitteln vorsieht, dann ist das Kreditfinanzierung durch die Hintertür. Die Risiken des Anlegers stecken dann im Konzept. Finger weg.

Zwei neuere Beispiele aus der Immobilienbranche

Im Nachgang zur Finanzkrise haben sich zwei Konzepte im Immobilienbereich als nicht ausreichend erwiesen. Beiden Konzepten wird oder wurde ein Schneeballsystem unterstellt. Dabei werden regelmäßig keine ausreichenden Erträge erwirtschaftet, um Verwaltung und Zinsen zu kompensieren. Ob dies in den aktuellen Fällen zutrifft, muss man als Anleger nicht endgültig entscheiden. Alleine das Risiko, Altgläubiger könnten durch Einnahmen von neuen Geldgebern bedient werden, hat bereits eine erhebliche Aussagekraft über ein Anlagekonzept. Es ist riskant.

S&K: die Protzer

WIWO-Titel.

WIWO-Titel.

Die S&K-Immobiliengruppe, deren Geschichte in den letzten Wochen durch die Presse geistert, ist ein Beispiel für das erste genannte K.O.-Kriterium. Die Verkäufer und Immobilienentwickler haben sich offenbar vor allem um die eigenen Belange gekümmert und in Saus und Braus gelebt. Die Vorstände sollen sich Gehälter von sechs Millionen Euro pro Jahr gegönnt haben.

Der protzige Lebensstil muss schließlich von irgendwem finanziert werden. Auch das ist ein Muster, um Verkäufer zu motivieren. Der Unternehmer Mehmet E. Göker zeigte der Welt bereits zuvor, wie man Vertriebsmitarbeiter antreibt. In dem Fall war das Geschehen sogar legal und nur den zu hohen Provisionen der privaten Krankenversicherung geschuldet. Auch ein Argument, um Investments kritisch zu hinterfragen. Anleger sollten solche Methoden nicht noch finanzieren müssen.

WGF: Konzeptfehler

WGF-Firmenfoto

WGF-Firmenfoto

Die Insolvenz der WGF-Gruppe des umtriebigen Pino Sergio ist ein spezieller Fall. Er lud mit seinem Unternehmen mehrere Anleihen am Markt mit etwa 400 Millionen Euro ab. Dabei ging das Unternehmen zunächst sehr kundenfreundlich vor. Man platzierte erfolgreich relativ kurzläufige besicherte Anleihen am Markt. Hypotheken-Anleihen. Diese verfügen neben dem Emittenten über eine zusätzlich Sicherung – so die Idee. Hier: Immobilien.

Diese Anleihen sind zunächst ein vernünftiges Investment, solange die Sicherheiten tatsächlich vorhanden und werthaltig sind. Konzeptionell ist aber fraglich bei der WGF, weshalb man immer wieder kurzfristige Finanzierungen benötigte, anstatt langfristige Finanzierungen zu nutzen. Solch ein Ansatz funktioniert nur solange ein Unternehmen genügend Vertrauen genießt. Das ist ein erhebliches Risiko für Anleger. Bei der Hypo Real Estate konnte man zudem bewundern, was passiert wenn große Teile eines Portfolios langfristig gehalten werden sollen, aber nur kurzfristig finanziert sind. Es geht irgendwann schief. Die WGF machte jedenfalls 2011 über 70 Millionen Verlust und beantragte die Insolvenz in Eigenverwaltung.

Bei der WGF kam hinzu, dass man zusätzlich Genussrechte verkaufte. Die Anleger mussten sich zu dem Zeitpunkt fragen, weshalb ein Unternehmen risikotragendes Kapital ohne die dafür üblichen Beteiligungsrechte benötigte. Es gab also auch hier gute Gründe zumindest diese Papiere nicht zu zeichnen.

Dass der Firmenchef ebenfalls einen luxuriösen Lebensstil pflegt, dürfte hier – anders als bei S&K – nur ein Randthema sein. Auch wenn wieder die Frage erlaubt sein muss, warum Anleger das Video bei Taff nicht als Warnzeichen gesehen haben. Denn das Geld für den Luxus kommt auch hier letztlich von den Anlegern, deren Risiken sich jetzt möglicherweise materialisieren. Bei der WGF müssen Anleger abwarten, als wie werthaltig sich die Immobilien erweisen. Die  Genussrechtsinhaber dürften stärker zur Kasse gebeten werden.

Artikelbild: Eigener Fundus.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.