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Peers Stinkefinger könnte die Wahl drehen

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13. September 2013

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Peers Stinkefinger könnte die Wahl drehen

Der Stinkefinger von Peer Steinbrück auf dem SZ-Magazin ist cool. Der SPD-Kandidat könnte bei jungen Wählern punkten, wie die Reaktionen im Netz zeigen.

1994 musste Stefan Effenberg nach Hause fahren, nachdem er die deutschen Fans durch Zeigen des Stinkefingers beleidigt hatte. Die Geste war eindeutig in Richtung einer Personengruppe gerichtet. Die Empörung war richtig und der Stinkefinger bekam einen neuen Namen: „Effe“.

Steinbrück gewinnt an Statur

2013 ist eine andere Zeit. Peer Steinbrücks Stinkefinger ist zudem nicht gegen eine bestimmte Personen gerichtet, sondern soll selbstironisch zeigen, dass er, Steinbrück, sich eben nicht verbiegen lässt. Das zeugt von Haltung in einer Zeit in der die Kanzlerin ständig wie der Bambus im Wind hin und her wiegt, um ein anderes politisch bekanntes Bild zu verwenden. Nur niemanden  verschrecken ist die Devise der Union.

Dem SZ-Magazin stand Steinbrück für die Serie „Sagen Sie jetzt nichts…“ Rede und Antwort. Dabei darf der Interviewpartner auf Fragen nur mit Gesten antworten. Der Stinkefinger war die Reaktion auf: „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“.

Reaktionen

Die Reaktion bestehend aus bürgerlicher und politischer Betroffenheitsrethorik von „Macht man nicht!“ bis „Wird man nie wieder los!“ kann Steinbrück egal sein. Er setzt ein Zeichen gegen die Raute der Kanzlerin und sorgt für Aufmerksamkeit bei jüngeren Wählern. Ausgerechnet Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) formulierte staatstragend in Mainz auf einem Wahlkonvent: „Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht“.

Wer den Stinkefinger von Peer Steinbrück für ein Wagnis hält, der hat noch nicht begriffen wie Kommunikation heutzutage funktioniert. Subtiler als früher und der Stilbruch gehört ausdrücklich zum Repertoire in Zeiten in denen täglich Tausende mediale Reize gesetzt werden und eine Kette das wichtigste Gesprächsthema ist, wenn die Kanzlerin des größten europäischen Landes auftritt.

Der SPD-Kandidat ist seit zwei guten Fernsehauftritten (Duell und Wahlkampfarena) im Aufwind und die Wahlentscheidung in der nächsten Woche dürfte spannend werden, wenn man die Lager betrachtet. „rot-rot-grün“ gegen „schwarz-gelb“. Der Stinkefinger könnte für etwas mehr Mobilität bei jüngeren Wählern sorgen. Davon profitiert die SPD eher als die Union. Ganz nach dem Motto von Helmut Kohl, der einmal eine Art Lebenszyklus bei Wählern entdeckt haben wollte. Der typische Wähler fange jung als Revoluzzer an, wähle entsprechend und komme dann in späteren Jahren ohnehin zur Union.

Artikelbild: Pressefoto © Susie Knoll / SPD.
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Der Autor

Thorsten Cmiel

Thorsten Cmiel ist Chefredakteur von Investment Alternativen. Der studierte Ökonom ist seit über 15 Jahren als Finanzjournalist und Buchautor tätig.