Thursday, Aug. 17, 2017

Johnson Associates Studie: Geringere Boni für Wall Street Trader

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20. November 2014

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Johnson Associates Studie: Geringere Boni für Wall Street Trader

An der Wall Street herrscht gegen Ende des Jahres ein geteiltes Bild. Händler und Hedgefonds-Mitarbeiter haben 2014 deutlich geringere Bonuszahlungen zu erwarten – Investmentbanker und Beschäftigte von Beteiligungsgesellschaften dagegen dürfen mit einem deutlichen Plus gegenüber dem Vorjahr rechnen.

Laut der diesjährigen Erhebung der Beratungsfirma Johnson Associates erwartet die Aktien- und Anleihenhändler ein Minus gegenüber dem Vorjahr von rund 10 Prozent, die Hedgefonds-Angestellten müssen sich auf ein Minus von 5-10 Prozent einstellen. Grund für die Einbußen: Aufgrund der Aussicht auf dauerhaft niedrige Leitzinsen schichteten Kunden in diesem Jahr vergleichsweise wenige Mittel um. Erst im dritten Quartal kam es zu einer deutlich spürbaren Belebung der Finanzmärkte. Die Händler, die traditionell die größten Boni der Branche kassieren, müssen sich nun auf eine veränderte Umgebung einstellen. Seit der Finanzkrise steht die Sparte unter starkem Regulierungsdruck, einige der lukrativsten Geschäfte wurden 2010 mit der Verabschiedung des Dodd-Frank Acts in den USA deutlich eingeschränkt.

Gewinner und Verlierer

Ein ganz anderes Bild zeigt sich in der Sparte der Investmentbanker und Private-Equity-Spezialisten. Gewinner des Jahres sind insbesondere Beschäftigte, die im Geschäftsbereich von Fusionen und Übernahmen tätig sind oder Börsengänge einfädeln. Für diese Bereiche gehen die Boni 2014 gute 10-15 Prozent nach oben. Nachdem die  Unsicherheit in den Jahren nach der Krise lange noch hoch war und Investoren nur sehr zögerlich vorgingen, nahm das Übernahme-Karussell 2014 wieder an Fahrt auf. Die Aktienrallye führte zu mehr Selbstbewusstsein in den Vorstandsetagen und hat Fusionen und Übernahmen spürbar befeuert.

Die Johnson Associates Studie spiegelt die Entwicklung an den größten amerikanischen Banken wieder, sendet aber deutliche Signale auch an die deutschen Märkte. Demnach deuten die Zeichen auf eine erste Wiederbelebung nach der Krise – auch in den Handelsräumen. Ein Eindruck, der mit einem Blick auf die regen Aktivitäten in den Bereichen Banken und Finanzdienstleistung der großen Stellenportale mehr als gerechtfertigt scheint. Dennoch scheint der Schwung noch nicht auszureichen, um den jahrelangen Abwärtstrend der Branche zu überwinden. Nach einem eher flauen Sommer ging es gegen Ende des dritten Quartals wieder markant auf und ab, den Händlern boten sich optimale Profitmöglichkeiten. Banken wie Goldman und Sachs und Morgan Stanley konnten bessere Quartalsgewinne vorweisen als erwartet. Dennoch würde derzeit kaum jemand so weit gehen, einen lang anhaltenden Aufwärtstrend zu prognostizieren.

Verhaltener Optimismus für 2015

Auch der Direktor von Johnson Associates, Alan Johnson, schätzt die Stimmung nicht übermäßig optimistisch ein. Es sei die eine Sache, 10 Prozent Jahresbonus zu verlieren – die  andere sei, dass schon im Vorjahr 10 Prozent gefehlt hätten. Der Handel sei momentan schlicht nicht mehr der „Ergebnismotor“, der die Banken durch die letzten 20 Jahre getragen habe. Für die Strippenzieher hinter den großen Deals sei das Umfeld allerdings hervorragend. Das Volumen der Fusionen und Übernahmen weltweit hat in den ersten 9 Monaten des Jahres 2014 um rund 40 Prozent zugelegt. Laut den Erhebungen des Datendienstleisters Dealogic könnte es sogar das volumenstärkste seit der Finanzkrise 2007 werden. Ein Trend, der nicht zuletzt auch die Stimmung bei den Beteiligungsgesellschaften beflügelt, sichert die Marktralley ihnen doch hohe Gewinne durch den Verkauf oder Börsengang von Firmen aus dem eigenen Portfolio. Auch Vermögensberater werden sich 2014 auf ein Boni-Plus von rund 10 Prozent freuen können.

Neuausrichtung nach der Krise

Mit Blick auf das Jahr 2015 sind viele Finanzfirmen verhalten optimistisch. Vermögensverwalter und Manager von Investment- und Geschäftsbanken rechnen damit, dass ihre Boni weiterhin zulegen. Der Druck auf Großbanken bleibe dagegen hoch, so Johnson. Bei vielen der großen Geldhäuser mache die Vergütung des Personals inzwischen mehr als 40 Prozent der Einnahmen aus. Die Banken seien schlicht nicht in der Lage, ihren Angestellten so viel Geld auf den Tisch zu legen wie Beteiligungsgesellschaften oder Hedgefonds. Sie seien daher gezwungen, nach Wegen zu suchen, ihre Arbeitsplätze attraktiver zu machen, um Leistungsträger zu gewinnen und zu halten. Den Jahresboni, die inzwischen einen signifikanten Teil des Gehalts ausmachen, kommt in der nun notwendigen Neuausrichtung der Unternehmenskultur auf die veränderte Umgebung nach der Finanzkrise eine zentrale Rolle zu.

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Der Autor

Markus Nowak