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Die Anzahl der Fonds wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach schrumpfen

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21. August 2012

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Die Anzahl der Fonds wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach schrumpfen

Norbert Neunhoeffer, Geschäftsführer der MMD Multi Manager GmbH, über den Markt für Vermögensverwaltende Investmentfonds.

Mischfonds haben mittlerweile einen signifikanten Anteil am Investmentfondsmarkt. Wie lässt sich dieses Wachstum erklären?

Fonds, die das Kapital der Anleger über mehrere Asset-Klassen streuen bzw. dem Anleger die Allokationsentscheidung abnehmen, werden immer beliebter. Ihr Anteil am gesamten Fondsuniversum hat sich in den vergangenen zwölf Jahren nahezu vervierfacht. Immer mehr Berater delegieren die Allokationsentscheidungen für die Portfolios ihrer Kunden an verschiedene Fondsmanager. Die freigewordenen Ressourcen verwenden sie stattdessen auf ihre Kernkompetenz – also für das Management der Kundenbeziehungen.

Ist die Portfolioallokation nicht ebenfalls eine Kernkompetenz des Beraters?

Letztendlich muss der Berater selbst entscheiden, ob er professionelles Asset- und vollwertiges Relationship-Management gewährleisten kann. Die jüngste Vergangenheit zeigt leider, dass dieser Spagat nicht allen Beratern gleichermaßen gut gelingt. Zahlreiche Portfolios konnten den Verwerfungen der letzten Jahre nicht standhalten und haben bei Anlegern und Beratern große Unsicherheit hervorgerufen. Daraus resultiert ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis, das sich in der Suche nach Anlageformen manifestiert, die Verluste aktiv begrenzen und Wertschwankungen reduzieren.

Wie lässt sich die aktuelle Beliebtheit Vermögensverwaltender Fonds noch erklären?

Die vergangenen zehn Jahre haben Anlegern gezeigt, dass eine naive Mischung klassischer Investmentfonds in einem Marktumfeld, das von starker Verunsicherung und hoher Volatilität geprägt ist, keine befriedigenden Ergebnisse mehr erzielt. An diesem Punkt setzen Vermögensverwaltende Fonds an. Sie vereinen hohe Managerexpertise und aktive Allokation des Portfolios. Gerade in turbulenten Marktphasen haben sie in der Vergangenheit ihre Fähigkeit zur Verlustbegrenzung unter Beweis gestellt. Dies zeigt insbesondere eine Analyse der elf Börsentage vom 26. Juli bis zum 10. August des vergangenen Jahres, in denen der DAX fast ein Viertel seines Wertes verlor. Auch andere Aktienindizes mussten in diesem Zeitraum deutliche Verluste hinnehmen. Die Einbußen Vermögensverwaltender Fonds hingegen waren vergleichsweise moderat. Ein weiterer Aspekt, mit dem sich die Beliebtheit Vermögensverwaltender Fonds erklären lässt, ist die Abgeltungssteuer…

…aber die wird bei Veräußerung Vermögensverwaltender Fonds doch genauso fällig wie auch bei anderen Investmentfonds?

Das stimmt. Aber Anleger, die die Allokation ihrem Berater überlassen oder sie selbst übernehmen, müssen auch bei Portfolio-Umschichtungen Abgeltungssteuer zahlen. Finden die Portfolio-Anpassungen hingegen innerhalb eines Fonds statt, fällt dabei keine Abgeltungssteuer an. Die Steuerpflicht wird faktisch gestundet.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Wir werden weiteres Wachstum sehen. Die Branche wird sich jedoch verändern. Ich erwarte einen Konsolidierungsprozess. Derzeit ist die Anzahl von Fonds mit kleinen Volumina vergleichsweise hoch. Dies ist darauf zurückzuführen, dass vor allem kleinere und spezialisierte Vermögensverwalter die Vermögensverwaltenden Fonds etablierten. Derzeit widmen sich jedoch auch die großen Kapitalanlagegesellschaften intensiv diesem Thema. Während sie noch vor wenigen Jahren vor allem auf Fonds mit einer einzigen Investmentstory setzten, stehen mittlerweile auch bei den großen Anbietern Mischfonds mit vermögensverwaltendem Ansatz verstärkt im Vertriebsfokus.

Mit welchen Folgen für kleinere Anbieter?

Schon heute ist zu erkennen, dass Angebotspaletten gestrafft und Fonds miteinander verschmolzen werden. Insbesondere Fonds mit einem Volumen von weniger als zehn Millionen Euro sind auf Dauer kaum rentabel. Die Anzahl der Fonds wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach schrumpfen. Die durchschnittlichen Fondsvolumina und das gesamte Marktvolumen werden jedoch weiter steigen. Den Trend haben eindeutig die unabhängigen Vermögensverwalter gesetzt. Sie haben es verstanden, ihre flexiblen und mit hohen Freiheitsgraden ausgestatten Investmentlösungen am Markt zu etablieren. Das ist für mich ein deutlicher Hinweis, dass zumindest in diesem Segment mehr und mehr die Qualität und nicht mehr die Vertriebspower ausschlaggebend dafür ist, was in den Portfolios der Kunden landet.

Das Interview erschien im ScopeAnalysis Report 6/2012.
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